Interview mit David Muggli: "Elektroboom auch ohne Urteil"

Interview mit David Muggli: "Elektroboom auch ohne Urteil"

von Tobias Schenk

5 Fragen an David Muggli: Boom bei den E-Autos auch ohne Urteil

Herr Muggli, Sie sind Geschäftsführer des Zülpicher Unternehmens PRIOGO, das auf Versorgungssysteme in der Haus- und Gebäudetechnik spezialisiert ist, aber auch E-Autos verkauft. Sie verfolgen interessiert die Diesel-Debatte. Was halten Sie von dem Urteil und einem Diesel-Fahrverbot?

David Muggli: Wenn man die Entscheidung sachlich betrachtet, wirkt es nach Aktionismus. Auf den zweiten Blick resultiert dieser Aktionismus aber aus den fehlenden Ideen und den nicht gemachten Schritten in die richtige Richtung in der Vergangenheit.

Wie haben Sie auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig reagiert?

Muggli: Natürlich freut mich das Urteil – persönlich, aber auch aus Unternehmersicht. Der Boom bei den E-Autos wäre aber auch ohne das Urteil gekommen. Die Entwicklung schreitet einfach zu rasant voran. Ende des 19. Jahrhunderts fuhr man noch mit Postkutschen, ein paar Jahre später setzte man nicht mehr auf Pferde, sondern auf Autos. Ähnlich sieht es bei Smartphones aus. Vor zwei Jahrzehnten Stecke das Handy noch in den Kinderschuhen, heute ersetzt das Smartphone den Computer.

Haben Sie schon in irgendeiner Form auf das BVG-Urteil reagiert?

Muggli: Ja, wir haben seit Donnerstag [1. März, d. Red.] das Angebot unserer Fahrzeugflotte um einen Elektro-Lieferwagen erweitert, denn ich glaube nicht, dass die jetzt angedachte Ausnahmeregelung für Handwerker auf Dauer Bestand haben wird. Es wird letztlich die Umweltbelastung gemessen – und dann wird es egal sein, woher die gemessene Luftverschmutzung kommt.

Also setzen Sie voll auf die Karte Elektromobilität?

Muggli: Ja, es gibt keine Alternative dazu. Um die Berührungsängste der Bevölkerung vor einem E-Auto zu verringern, wird man bei uns schon bald E-Autos mieten und testen können. Viele können sich einfach nicht vorstellen, dass ein E-Auto für Ihre Zwecke sinnvoll ist. Man rechnet häufig, dass ein E-Auto von A nach B und wieder zurückkommen muss. Aber man kann es ja bei B aufladen und sogar noch nach C und dann wieder zurückfahren. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Sie glauben an den Willen zur Veränderung?

Muggli: Ich hoffe, dass die Leute nun den Willen zeigen, umzusteigen. Diejenigen, die aktuell einen Diesel fahren, sind doch verunsichert. Verunsicherung ist ein Kaufargument. Niemand wird sich jetzt einen Diesel zulegen, weil niemand weiß, was noch kommt. Viele werden zum Benziner wechseln. Dann kommen dafür Fahrverbote. Gegen die Verunsicherung muss man etwas tun und das E-Auto weiter fördern.

Wir danken für das Interview!

Das Gespräch führte Tom Steinicke. Erschienen am 2. März 2018 im Kölner Stadtanzeiger.

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