Wege in die Elektrifizierung

Wege in die Elektrifizierung

von Götz Bökler

 

Im September machte die Bundesregierung den Klimawandel zum Topthema. Anlass waren Prognosen, die selbst gesteckten Klimaziele für das Jahr 2030 zu verfehlen. Zuerst wurde öffentlich eine Abwrackprämie von Ölheizungen ins Gespräch gebracht. Kurze Zeit später stellte das Klimakabinett ein Maßnahmenpaket vor, das auch die Heizungsbranche maßgeblich betrifft. Das Signal ans Handwerk ist eindeutig: Zukünftig soll nicht mehr mit Öl, sondern effizient mit Gas oder Strom geheizt werden.

 

     

 

„Die Politik sieht, welchen großen Beitrag die SHK-Branche leisten kann, und macht Heiztechnik zu einem Topthema“, freut sich Tillmann von Schroeter, Gesch.ftsführer Vaillant Deutschland, grundsätzlich über die Inhalte des Maßnahmenpakets. Es enthält unter anderem eine Austauschprämie für Ölheizungen, ein Einbauverbot von Ölheizungen ab 2026, allerdings mit einigen Ausnahmen, eine CO2-Bepreisung und Fördermaßnahmen für energetische Gebäudesanierungen. Prinzipiell ist von Schroeter jedoch kein Freund von Verboten, sondern ein Verfechter der Technologieoffenheit. „Der Austausch ineffizienter Ölheizungen ist gut und richtig. Allerdings haben wir im Markt sieben Millionen ineffiziente Gaskessel, das sind zwei mehr als alte Ölheizungen. Der Austausch dieser alten Anlagen muss ebenfalls angegangenwerden“, fordert er.

Für SHK-Betriebe steht eine Transformation an

Von Schroeters Einschätzung zum Klimamaßnahmenpaket teilt Sebastian Pönsgen, Vorstand der PRIOGO AG, VEP Partner seit 2013. „Der politische Wille ist eindeutig und der Weg für die kommenden Jahre wird ebenfalls klar aufgezeigt: Das Heizsegment soll strombasiert laufen“, analysiert er mit Verweis auf die CO2-Bepreisung und die – wenn auch geringe – Strompreissenkung. „Allerdings hätte ich mir beides stärker gewünscht. Diese Form ist von der Politik mutlos und die gewünschte Wirkung bleibt aus“, fügt er hinzu.

Angesprochen auf die Auswirkungen auf den eigenen Betrieb und die Betriebe seiner Kollegen, schätzt er: „Die Maßnahmen kommen uns entgegen. Für andere SHK-Betriebe steht hingegen ein Transformationsprozess an, den wir schon durchlaufen haben.“ Bereits seit Gründung der PRIOGO AG vor zwölf Jahren gehören Photovoltaikanlagen zum Hauptgeschäft des Betriebs. Im Jahr 2011 richtete man das Unternehmen dann strategisch auf elektrische Systemlösungen aus. „Begonnen haben wir aber als eine Art Gemischtwarenladen, für die Systemlösungen hatte allerdings Vaillant das beste Produktportfolio“, erzählt Pönsgen. Im Jahr 2014 konnte dann das erste Großprojekt mit Photovoltaik und Wärmepumpe realisiert werden. Kurze Zeit später wurden auch Batteriespeicher und Lüftungsanlagen aufgenommen. Auf dem Weg hin zum Anbieter elektrischer Systemlösungen gab es für PRIOGO allerdings auch Hürden und Hindernisse. „Mit PV-Anlagen waren wir immer schon abhängig von politischen Förderentscheidungen. Das war mitunter schwierig. Und auch die Geräte der Hersteller haben nicht immer halten können, was im Vorhinein angekündigt worden war“, blickt Pönsgen zurück. Hinzu kam Überzeugungsarbeit, die bei manchen neuen Mitarbeitern geleistet werden musste.

 

 

Kerngeschäft Photovoltaik

Seit Gründung der PRIOGO AG sind Photovoltaikanlagen wichtigster Bestandteil des Produktportfolios

„Aber an dem eingeschlagenen Weg haben wir nie gezweifelt. Auch da das Vaillant Konzept mit den verschiedenen Trainings und Seminaren, dem FachpartnerNET und vor allem den Planungstools sehr gut unterstützt hat“, schätzt Pönsgen. Die Planungstools helfen unter anderem, um Energieverbräuche zu berechnen. „Beispielsweise um eine Wärmepumpe für den Altbau auszulegen, ist dies sehr praktisch“, erklärt er. Besonders zur Einarbeitung neuer Kollegen nutzt er das Angebot. Wenn nötig, kann er hier auch erste Überzeugungsarbeit leisten und aufzeigen, wie wenig Heizenergie gut sanierte Gebäude heutzutage benötigen und wie gering die Effizienzverluste sind. So begegnet er beispielsweise den Befürchtungen, dass es mit einer Wärmepumpe in den kalten Tagen nicht warm genug würde.

Ökologie und Ökonomie unter einen Hut bringen

Ängste vor kalten Wintertagen kennt auch Tillmann von Schroeter aus Gesprächen mit Fachhandwerkern und Endkunden gleichermaßen, und denen er entgegnet: „Vaillant hat die Technologien. Unsere Wärmepumpen stoßen in immer höhere Vorlauftemperaturbereiche vor und werden immer effizienter.“ Gleichzeitig betont er, dass die effiziente Technologie dafür sorgt, dass der Endkunde nicht durch die Stromkosten aufgefressen wird. „Man muss das ganzjährlich betrachten. Bei einer Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe wird der Endkunde im Sommer so günstig Warmwasser haben wie noch nie zuvor“, erklärt von Schroeter. In die gleiche Kerbe schlägt auch Sebastian Pönsgen: „Eine Photovoltaikanlage kann heutzutage 40 Prozent der Antriebsenergie einer Wärmepumpe liefern. In Kombination mit einem Batteriespeicher sogar 70 Prozent. Das ist nicht nur effizient, sondern auch wirtschaftlich.“ Generell ist es ihm wichtig zu verdeutlichen, dass mit den Systemlösungen der PRIOGO AG Ökologie und Ökonomie unter einen Hut gebracht werden: „Wir wollen zeigen, dass das keine grünen Spinnereien sind, sondern da auch eine sehr harte und positive Wirtschaftlichkeit hintersteht. Wir machen ökologisch wertvolle Systeme, die sich auch im Portemonnaie lohnen.“

 

 

Auch bei seinem eigenen Neubau hat Sebastian Pönsgen von Anfang an auf Photovoltaik und Wärmepumpen gesetzt und sich so auch technologisch auf demneuesten Stand gehalten. „Man  verkauft oder verbaut am besten, was man selbst im Einsatz hat“, empfiehlt er. Auf die Frage, was Fachhandwerker tun müssen, um sich für die Zukunft zu rüsten und eine gute Rolle zu spielen, rät Tillmann von Schroeter, sich Kompetenz in den Betrieb zu holen oder sich mit fachkundigen Partnern zu vernetzen: „Für unsere Energiewende wird das Energiemanagement zu Hause immer wichtiger. Heizung, PV-Anlage und künftig immer mehr Ladeboxen für E-Autos müssen untereinander sowie mit einem smarten Stromzähler vernetzt sein und koordiniert werden. Ideal ist es, die Kompetenz hierzu im eigenen Haus auszubauen oder einen guten Elektro-Partner zu haben. Vaillant steht den Fachhandwerkern unter anderem mit Trainings zu Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen mit Rat und Tat zur Seite.“

 

Dieser Artikel erschien im Januar 2020 in der Fachzeitschrift VEP

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